EZS-Winterschule vom 18. bis 23. März 2013 in Heidelberg
Linguistische Zugänge zu Konflikten in europäischen Sprachräumen:
Korpus – Pragmatik – kontrovers
Vom 18. bis zum 23. März 2013 lädt das Europäische Zentrum für Sprachwissenschaften (EZS), eine Kooperation zwischen dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie 29 Referentinnen und Referenten zu einer einwöchigen von der VolkswagenStiftung geförderten Winterschule ein: Im Zentrum der Winterschule steht das Thema "Linguistische Zugänge zu Konflikten in europäischen Sprachräumen: Korpus – Pragmatik – kontrovers". Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler können gerade in Zeiten der transnationalen Krisen dazu beitragen, Konflikte als sozialsymbolische Handlungsmuster zu analysieren und ihre kommunikativen Zusammenhänge zu beschreiben. Sie können sprachliche Strategien aufzeigen, mit denen Konflikte vermieden oder konstruktiv aufgelöst werden und die Bürgerinnen und Bürger zu einem aufgeklärten Sprachgebrauch in Auseinandersetzungen anleiten. In Vorträgen und mehrtägigen Workshops sollen die theoretischen Grundlagen vermittelt und Methoden zur sprachwissenschaftlichen Analyse von unterschiedlichen Konfliktsettings (vom Gespräch bis zu trans-nationalen Diskursen) trainiert werden.
Konflikte begleiten das soziale Leben in unserer Gesellschaft: Vom Gartenzaun bis in die politischen Arenen, vom Alltag bis hin zu Fragen der transnationalen Verrechtlichung in der Europäischen Union – überall begegnen uns tagtäglich Auseinandersetzungen. Konflikte und Sprache hängen dabei eng miteinander zusammen: Zum einen wird in Sprache über Sprache verhandelt (z. B. die Frage nach der ‚guten‘ Sprache und Kommunikation, Sprachenpolitik). Zum anderen ist Sprache das Medium des Streitens und Versöhnens schlechthin. Konflikte werden vor allem durch Sprache vermittelt, d.h. Sprach(en)konflikte sind Spiegel soziokultureller Auseinandersetzungen um Wissen und Macht. Kurz: Sprache ist Resonanzkörper sozialer Spannungen. Damit wird deutlich, dass das Verständnis von Konflikten ein Verständnis von Regeln und Abläufen sprachlicher Kommunikation voraussetzt.
Mit diesem Thema beschäftigt sich die internationale linguistische Winterschule des EZS in Kooperation mit dem Iberoamerika-Zentrum der Universität Heidelberg, der Eötvös-Loránd Universität Budapest (Ungarn) sowie der Hermann Paul School of Linguistics (Basel – Freiburg im Breisgau). Im Fokus der Winterschule stehen unterschiedliche methodische Perspektiven auf die Pragmatik von Konflikten, die kontrastiv sowie komplementär miteinander diskutiert werden: qualitative Gesprächs- und Textanalyse genauso wie die quantitative Korpuszugänge. Berücksichtigt werden außerdem zentrale Ebenen des Sprachsystems von der Morphologie und Lexik bis zur Grammatik, Multimodalität sowie schließlich unter-schiedliche Konfliktsettings vom zweisamen Gespräch bis zu transnationalen Diskursen.
Arbeitsweise und Programm
Am ersten Tag der Winterschule erfolgt vormittags die Anreise; das offizielle Programm startet um 13.00 Uhr mit einer Begrüßung durch die VeranstalterInnen. Im Anschluss findet eine öffentliche „Linguistische Fachmesse“ statt, auf der die TeilnehmerInnen eine ihrer thematisch passenden Arbeiten in Form von Postern bzw. kleinen Ausstellungsständen gegenüber den KollegInnen innerhalb sowie auch außerhalb der Winterschule vorstellen. Der erste Tag endet mit einem öffentlichen Eröffnungsvortrag zum Thema „Responding to increasing linguistic diversity in multicultural Europe“ des renommierten EU-Sprachforschers Prof. Dr. Guus Extra (Niederlande).
Der zweite Tag dient der Vermittlung und Diskussion des aktuellen Forschungsstandes zum Themenkomplex „Konfliktlinguistik“ in Form von insgesamt fünf Vorträgen: Behandelt werden die Teilthemen „Perspektiven der Konfliktlinguistik“ (Prof. Dr. Johannes Schwitalla), „Historische Konfliktlinguistik“ (Prof. Dr. Hans Goebl), „Konflikte im Dolmetschen“ (Prof. Dr. Sylvia Kalina), „Konflikt und Mediation im Gespräch“ (Prof. Dr. Arnulf Deppermann) sowie „Konflikte in neuen Medien“ (Jun.-Prof. Dr. Friedemann Vogel).
Die Tage drei bis einschließlich fünf der Winterschule sind dem Austausch und der Vermittlung linguistischer bzw. kommunikationswissenschaftlicher Methoden im Spannungsfeld von qualitativen und quantitativen Ansätzen gewidmet. Hier liegt der Schwerpunkt auf der interaktiven Zusammenarbeit sowohl in der Diskussion innovativer Methoden zur sprachwissenschaftlichen Untersuchung und Beschreibung von Konflikten als auch in der konkreten Erprobung dieser Ansätze mit Bezug auf eigene Forschungsfragen (Text- und Datenarbeit). Vor diesem Hintergrund finden in dieser Zeit an drei Vormittagen insgesamt drei parallele Methodenworkshops statt. Die drei Methodenworkshops decken relevante Bereiche des linguistischen Methodenkanons ab: Gesprächslinguistik, qualitative Textanalyse und quantitative Textanalyse (Korpuslinguistik). An den Nachmittagen des dritten und vierten Tages finden in verschiedenen Panels Methodenworkshops ergänzende Kurzworkshops bzw. Vorträge statt, die den TeilnehmerInnen neben ihrer Schwerpunktsetzung einen kontrastiven Einblick in die jeweils anderen methodischen Ansätze ermöglichen sollen.
Der Nachmittag des fünften Tages der Winterschule teilt sich in drei Teile: Im ersten Teil werden die Ergebnisse aus den drei Methodenworkshops im Plenum vorgestellt und diskutiert. Im anschließenden zweiten Teil stehen die ReferentInnen der Methodenworkshops in sog. „Linguistischen Kamingesprächen“ für eine individuelle Beratung (nach vorheriger Anmeldung) der TeilnehmerInnen zur Verfügung. Hierbei soll die Möglichkeit geschaffen werden, die eigene Arbeit betreffende sowie aus der Winterschule hervorgegangene Fragestellungen zu erörtern und Lösungsansätze zu skizzieren. Der sechste und letzte Tag der Winterschule dient einer abschließenden Diskussion und Evaluation im Plenum, in der insbesondere die Initiierung bzw. Koordination von weiterführenden, internationalen Arbeitsgruppen sowie von Folgeveranstaltungen im Zentrum steht.



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