Europäisches Zentrum für Sprachwissenschaften

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Home Ankündigungen EZS-Ringvorlesung: "Sprache und Medizin"

EZS-Ringvorlesung: "Sprache und Medizin"

alt

Von der Sprache der Heiler zur heilenden Sprache
Ringvorlesung
startet im Sommersemester 2012

Welche Missverständnisse treten in der Arzt-Patienten-Kommunikation auf und wie lassen sie sich vermeiden? Welche Konzepte von ›Gesundheit‹ und ›Krankheit‹ gab es im Mittelalter und heute? Und welchen Einfluss haben eigentlich Literatur und die neuen Medien auf unser Alltagswissen über ›gute Therapien‹ und ›Heilungsprozesse‹? – Diese und andere Fragen beschäftigt seit Februar 2011 eine neue Forschungsgruppe des Europäischen Zentrums für Sprachwissenschaften (EZS). Die ExpertInnen suchen in Zusammenarbeit mit Medizinern nach Lösungen für brisante Kommunikationsfragen des medizinischen Alltags. Die Arbeiten zielen dabei sowohl auf Grundlagenforschung als auch auf konkrete Anwendung der Forschungserkenntnisse, etwa für die medizinische Ausbildung oder die Verbesserung medizinischer Diagnostik.

Prof. Dr. Arnulf Deppermann (IDS), Prof. Dr. Klaus-Peter Konerding (Germanistisches Seminar) und Prof. Dr. Spranz-Fogasy (IDS) untersuchen etwa die Paradigmen der medizinischen Gesprächsführung in Aufklärungsgesprächen und in der Psychotherapie. Prof. Dr. Ekkehard Felder (Germanistisches Seminar) und Prof. Dr. med. Hubert J. Bardenheuer (Universitätsklinik Heidelberg) gehen den Diskursen über Sterbehilfe und Palliativmedizin in Medienöffentlichkeit und Rechtsdebatten nach. Prof. Dr. Beatrix Busse (Anglistisches Seminar) und Prof. Dr. Jörg Riecke (Germanistisches Seminar) folgen sprach- und literaturhistorischen Spuren der „Medikalisierung“ und des Wandels medizinischer Paradigmen. Britta Wendelstein (Germanistisches Seminar) und Prof. Dr. Johannes Schröder (Gerontopsychiatrie) widmen sich sprachlichen Frühindikatoren für Alzheimer-Erkrankungen.

Mittelfristiges Ziel der Forschungsgruppe ist erstens eine intensive Zusammenarbeit mit medizinischen KollegInnen, eine Aufgabe, für die der medizinische Standort Heidelberg-Mannheim geradezu prädestiniert ist. Zweitens sollen NachwuchswissenschaftlerInnen auf dieses für unsere Gesellschaft zentrale Wechselspiel von sprachlicher Konstitution und medizinischer Praxis aufmerksam gemacht und gefördert werden. Drittens zielt die Kooperation auf die Entwicklung neuer Forschungsprojekte mit europäischer Perspektive, die kulturspezifische Besonderheiten stärker in den Fokus rückt.

Das EZS veranstaltet im Sommersemester 2012 zum Thema „Sprache und Medizin“ eine Ringvorlesung, um Fachkollegen wie Studierende aus allen Fachrichtungen auf die damit verbundenen Fragen aufmerksam zu machen. Die Vorlesung startet am 08. Mai 2012 mit einem Vortrag von Prof. Dr. Thomas Spranz-Fogasy (IDS Mannheim) zum Thema: „Wenn Ärzte und Patienten miteinander reden (müssen). Zur Gesprächsanalyse medizinischer Kommunikation“.
 
Für Rückfragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Janine Luth
Geschäftsführung des Europäischen Zentrums für Sprachwissenschaften
Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Tel.:    06221 54-3241
 

Programmübersicht

Sommersemester 2012
wöchentlich – Dienstag, 18-20 Uhr (Beginn ab 4. Vorlesungswoche)
Raum: Neue Universität, Hörsaal 7

Programmübersicht als PDF herunterladen.
Kurzzusammenfassungen der einzelnen Vorträge
Audio-Podcast der Ringvorlesung

 

Datum

ReferentIn

Vortragstitel

08.05.2012

Prof. Dr. Thomas Spranz-Fogasy
(Institut für Deutsche Sprache, MA)

Wenn Ärzte und Patienten miteinander reden (müssen).
Zur Gesprächsanalyse medizinischer Kommunikation
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Ekkehard Felder

15.05.2012

Prof. Dr. Beatrix Busse
(Anglistisches Seminar, Universität HD)

Schreiben als Medizin: Paul Austers The Brooklyn Follies
(Die Brooklyn-Revue)
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Jörg Riecke

22.05.2012

Prof. Dr. Jörg Riecke
(Germanistisches Seminar, Universität HD)

Körper – Krankheit – Heilung. Sprache und Medizin im Mittelalter
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Dr. Friedemann Vogel

29.05.2012

Prof. Dr. Arnulf Deppermann
(Institut für Deutsche Sprache, MA)

Psychotherapeutische Gesprächsführung
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Jörg Riecke

05.06.2012

Prof. Dr. Johannes Schröder / Britta Wendelstein M.A.
(Gerontopsychiatrie; Universitätsklinikum Heidelberg)

Sprachstörungen bei psychiatrischen Erkrankungen.
Das Beispiel Alzheimer Demenz
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Ekkehard Felder

12.06.2012

Prof. Dr. Hubert J. Bardenheuer (Zentrum für Schmerztherapie und Palliativmedizin, Universitätsklinikum HD) / Heide Lindtner-Rudolph M.A. (Germanistisches Seminar, Universität HD)

„Ich finde keine Worte mehr“ - Sprachlosigkeit am Lebensende!
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Ekkehard Felder

19.06.2012

Prof. Dr. Ekkehard Felder / Anna Mattfeldt
(Germanistisches Seminar, Universität HD)

 „Helfen“ oder „Töten“? Die Mediendebatte zur Sterbehilfe
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger

26.06.2012

Prof. Dr. Klaus Peter Konerding
(Germanistisches Seminar, Universität HD)

Heilung durch Sprache? - Psychotherapeutische Verfahren im Blick von kognitiver Linguistik und Psycholinguistik.
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger

03.07.2012

Prof. Dr. Sonja Kleinke
(Anglistisches Seminar, Universität HD)

Das Netz als Doktor. Medizinischer Laiendiskurs in Internetforen
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger

10.07.2012

PD Dr. Anja Lobenstein-Reichmann
(Institut für Deutsche Sprache, MA)

„Heil und Segen“. Arzt und Apotheker im Frühneuhochdeutschen
Kurzzusammenfassung / Abstract

Moderation: Prof. Dr. Jörg Riecke

 

 

Kurzzusammenfassungen (Abstracts) der einzelnen Vorträge

08.05.2012

Prof. Dr. Thomas Spranz-Fogasy
(Institut für Deutsche Sprache, MA)

Wenn Ärzte und Patienten miteinander reden (müssen).
Zur Gesprächsanalyse medizinischer Kommunikation


Gespräche sind in der Medizin nicht nur Verständigungsmittel sondern auch diagnostisches und therapeutisches Instrument. Die Vorlesung skizziert zunächst die Bedeutung ärztlicher Gespräche in Geschichte und Gegenwart und gibt dann einen Überblick über aktuelle gesprächslinguistische Forschung und deren Anwendungsmöglichkeiten. Die linguistische Analyse ärztlicher Gespräche erbringt nicht nur Einsichten in ein gesellschaftlich hochrelevantes Untersuchungsfeld sondern ist auch theoretisch interessant hinsichtlich Gattungs-, Interaktions- und Sprachhandlungstheorie. Und sie ist methodisch und methodologisch produktiv bzgl. der Vereinbarkeit qualitativer und quantitativer Ansätze oder Fragen multimodaler Analyse. Ärztliche Gespräche sind außerordentlich phänomenreich und nicht zuletzt bietet der Praxisbezug auch eine wichtige Quelle der Validierbarkeit linguistischer Erkenntnisse.

► Zur Übersicht

15.05.2012

Prof. Dr. Beatrix Busse
(Anglistisches Seminar, Universität HD)

Schreiben als Medizin: Paul Austers The Brooklyn Follies (Die Brooklyn-Revue)


Die Romane von Paul Auster beschäftigen sich oft mit Charakteren, die persönliche Krisen erleben und diese in verschiedenen Formen verarbeiten. In Paul Austers Roman The Brooklyn Follies (2006) strukturiert das Zusammenspiel von facettenreichen Konzepten des Schreibens einerseits und der Medizin andererseits die mentalen Welten der Charaktere und steuert damit den Leseprozess. Auf der Basis eines korpusstilistischen und kognitiv-stilistischen Ansatzes soll gezeigt werden, dass dieses blend - writing is medicine/Schreiben als Medizin - textuell in den Vordergrund rückt und die Handlungsräume „writing“ und „medicine“ die  Struktur des Romans lexiko-grammatisch markieren.

► Zur Übersicht

22.05.2012

Prof. Dr. Jörg Riecke
(Germanistisches Seminar, Universität HD)

Körper – Krankheit – Heilung. Sprache und Medizin im Mittelalter

Das Schreiben über den menschlichen Körper, über seine Krankheiten und ihre Heilung gehört zu den ältesten Bausteinen der Geschichte der deutschen Sprache. Die Überlieferung von medizinischen Rezepten und Zaubersprüchen reicht bis in das frühe Mittelalter zurück. In den folgenden Jahrhunderten entwickelt sich eine reiche handschriftliche Arzneibuchlandschaft, das 16. Jahrhundert schließlich bringt erstmals eine gedruckte volkssprachige Fachliteratur hervor, die der lateinischen in nichts nachsteht. Der Vortrag beleuchtet die Etappen der Ausbildung medizinischer Texte und fragt, welche Aussagen über das medizinische Wissen und die medizinischen Vorstellungen im Mittelalter und der frühen Neuzeit mit Hilfe der Analyse des volkssprachigen Wortschatzes getroffen werden können.

► Zur Übersicht
 

29.05.2012

Prof. Dr. Arnulf Deppermann
(Institut für Deutsche Sprache, Mannheim)

Psychotherapeutische Gesprächsführung

Die Psychotherapieforschung zeigt, dass es allgemeine psychotherapeutische Wirkfaktoren gibt, die unabhängig von der speziellen Behandlungsmethode wirksam sind. Zu ihnen gehören psychotherapiespezifische Gesprächsführungspraktiken. Im Vortrag wird anhand von Datenbeispielen diskutiert, wie TherapeutInnen Fortsetzungssignale, Schweigen, Fragen und Deutungen bei der gemeinsamen Konstruktion von Patientenerzählungen einsetzen. Es soll gezeigt werden, dass diese Aktivitäten der TherapeutInnen der Präferenz folgen, die Selbstdeutung der PatientInnen zu fördern, indem sie sie zur Elaboration und Reflexion von Erzählungen veranlassen – nicht immer ohne dabei die erzählerische Deutung dem therapeutischen Zweck entsprechend zu bahnen.

► Zur Übersicht
 

05.06.2012

Prof. Dr. Johannes Schröder / Britta Wendelstein M.A.
(Gerontopsychiatrie; Universitätsklinikum Heidelberg)

Sprachstörungen bei psychiatrischen Erkrankungen.
Das Beispiel Alzheimer Demenz


Störungen der Sprache als Mittel zur Kommunikation treten bei einer Vielzahl von psychiatrischen und neurologischen Störungen auf. Besonders markant sind dabei Sprachstörungen, die etwa als Folge von Schlaganfällen auftreten. Sprachstörungen bei Demenzen sind zunächst subtiler und treten zu Beginn der Erkrankung meist als Wortfindungsstörungen zutage. Jedoch fallen bei näherer Betrachtung Veränderungen im Sprachgebrauch auf beinahe allen linguistischen Ebenen schon im Frühstadium oder selbst in Vorstadien einer Alzheimer-Demenz auf. Diese Veränderungen und Auffälligkeiten werden im Vortrag auf Grundlage einer kurzen Einführung zu kognitiven Defiziten im Krankheitsverlauf für präklinische und Frühstadien der Alzheimer-Demenz aufgezeigt.

► Zur Übersicht
 

12.06.2012

Prof. Dr. Hubert J. Bardenheuer (Zentrum für Schmerztherapie und Palliativmedizin, Universitätsklinikum HD) / Heide Lindtner-Rudolph M.A. (Germanistisches Seminar, Universität HD)

„Ich finde keine Worte mehr“ - Sprachlosigkeit am Lebensende!


Palliativmedizin kümmert sich um Patienten mit aktiver, weit fortgeschrittener Erkrankung, für die die Lebensprognose begrenzt ist und der Schwerpunkt der Behandlung auf der Lebensqualität liegt. Der Übergang von der kurativen Therapie in eine rein an Symptomen wie Schmerzen und Luftnot orientierte medizinische Behandlung führt zu Hilflosigkeit und "verschlägt vielen Patienten förmlich die Sprache". Wenn ein Mensch unheilbar krank ist, wenn er in die letzte Phase seines Lebens eintritt, wenn es um Loslassen und Abschiednehmen geht, dann scheinen Medizin und Sprache oft gleichermaßen zu versagen: Der Medizin fehlen die Mittel, um den Menschen/Patienten wieder gesund zu machen. Der Sprache fehlen die Worte, um Ängste und Emotionen auszudrücken, die plötzlich im Raum stehen. Was Palliativmedizin auch dann noch bewirken kann, wenn der kurative Ansatz der Medizin "aufgegeben" wurde, und wie Sprache auch dann noch eingesetzt werden kann, wenn die richtigen Worte fehlen, das möchten wir in unserem Vortrag an Beispielen aus dem Klinikalltag vorstellen.

► Zur Übersicht
 

19.06.2012

Prof. Dr. Ekkehard Felder / Anna Mattfeldt
(Germanistisches Seminar, Universität HD)

 „Helfen“ oder „Töten“? Die Mediendebatte zur Sterbehilfe

Die Diskussion um Sterbehilfe und alternative Gestaltungsmöglichkeiten am Lebensende wird von den Medien mitbestimmt. Der Vortrag soll verdeutlichen, welche Rolle die Verwendung sprachlicher Mittel bei der Vermittlung des umstrittenen Themas spielt. Es wird gezeigt, wie zentrale Aspekte der Diskussion und einflussreiche Akteure – z.B. Ärzte, Sterbehilfeorganisationen oder Juristen – in den Medien perspektiviert, kontrastiert und bewertet werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse sprachlicher Strategien, welche Debattenbeteiligte zur Durchsetzung ihrer Perspektiven einsetzen.

► Zur Übersicht
 

26.06.2012

Prof. Dr. Klaus Peter Konerding
(Germanistisches Seminar, Universität HD)

Heilung durch Sprache? - Psychotherapeutische Verfahren im Blick von kognitiver Linguistik und Psycholinguistik.

Dass wir durch Worte und deren Austausch die seelische und körperliche Befindlichkeit von Menschen grundlegend beeinflussen können, ist eine sehr alte Einsicht, die in archaischen Kulturen mit ihren magisch-animistischen Praktiken vielleicht noch deutlicher präsent war als dies gegenwärtig der Fall ist. Dennoch: Die Schamanen der postindustriellen Kulturen sind die Psychotherapeuten, und ihre Zahl nimmt stetig zu. - Wie können Worte - bloße Geräusche - die 'Seele verzaubern'? Die gebrauchsbasierten Ansätze der zeitgenössischen Linguistik stellen den Sprecher unter entwicklungsbedingten, interaktional-kommunikativen, sozialen, kognitiven und historisch-kulturellen Aspekten in das Zentrum der Forschung und arbeiten im Rahmen des übergeordneten Verbunds der kognitiven Wissenschaften zunehmend mit transdisziplinärer Orientierung. Auf dieser Grundlage wird es Linguisten möglich, mit Psychotherapeuten ins Gespräch zu kommen und einschlägige Zusammenhänge zwischen Linguistik und Psychotherapieforschung gemeinsam zu erkunden, dies auch mit dem Ziel, die therapeutische Praxis weiter zu verbessern. Der Vortrag soll wichtige Berührungspunkte vorstellen und Perspektiven für die weitere Forschung eröffnen.

► Zur Übersicht
 

03.07.2012

Prof. Dr. Sonja Kleinke
(Anglistisches Seminar, Universität HD)

Das Netz als Doktor. Medizinischer Laiendiskurs in Internetforen

Medizinischer Diskurs ist nicht allein medizinisch geschulten Expert(inn)en vorbehalten. Längst erweist sich das Internet mit seinen vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten für viele Menschen als unverzichtbare Quelle medizinischen Alltagswissens. Neben dem klassischen Arzt-Patienten Dialog sind mit öffentlichen Foren im Internet Kommunikationsplattformen entstanden, die es ihren Nutzerinnen gestatten, medizinische Alltagserfahrungen und Fragen mit und vor einer breiten Öffentlichkeit jenseits des etablierten Expertendiskurses zu verhandeln. Aus linguistischer Sicht gilt unser besonderes Interesse den sprachlichen Besonderheiten der öffentlichen Diskussion oft hochsensibler und privater Themen und der Frage, welche spezifischen interaktiven Praktiken sich vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen computergestützter Kommunikation herausgebildet haben.

► Zur Übersicht
 

10.07.2012

PD Dr. Anja Lobenstein-Reichmann
(Institut für Deutsche Sprache, MA)

„Heil und Segen“. Arzt und Apotheker im Frühneuhochdeutschen

In der Heiligen Schrifft (1545) steht Jesus Sirach 38, 15: WEr fur seinem Schepffer sündigt / Der mus dem Artzt in die hende komen. Dazu schreibt Martin Luther in einer Marginalie: Betten hilfft mehr denn ertzneien / Vnd der Priester thut mehr denn der Artzt. In einer Zeit, in der der Blutkreislauf noch nicht entdeckt, die Syphilis am Wüten und Pestepidemien an der Tagesordnung waren, hat diese Randbemerkung nicht nur theologischen Wert. An einem Fallbeispiel aus dem Jahre 1519 soll das Verhältnis von Religion und Medizin, Gesundheit und Krankheit, Arzt und Patient, Heilmethoden (Aderlass, Purgieren, Bäder usw.) und ihren Heilwirkungen anhand sprachgeschichtlicher Zeugnisse diskutiert werden. Dabei ist nicht nur von Ärzten, Badern und Barbieren die Rede, sondern auch von Hexen und Henkern.

► Zur Übersicht

 

Audio-Podcast der Ringvorlesung

Titel Play Länge
"Ich finde keine Worte mehr" - Sprachlosigkeit am Lebensende!
Prof. Dr. Hubert J. Bardenheuer (Universitätsklinikum Heidelberg) und Heide Lindtner-Rudolph M.A. (Germanistisches Seminar)

61:17 min
Schreiben als Medizin: Paul Austers The Brooklyn Follies (Die Brooklyn-Revue)
Prof. Dr. Beatrix Busse (Anglistisches Seminar, Heidelberg)

47:09 min
Psychotherapeutische Gesprächsführung
Prof. Dr. Arnulf Deppermann (Institut für Deutsche Sprache, Mannheim)

57:43 min
"Helfen" oder "Töten"? Die Mediendebatte zur Sterbehilfe
Prof. Dr. Ekkehard Felder & Anna Mattfeldt (Germanistisches Seminar, Universität Heidelberg)

51:41 min
Das Netz als Doktor. Medizinischer Laiendiskurs in Internetforen.
Prof. Dr. Sonja Kleinke (Anglistisches Seminar, Universität Heidelberg)

65:49 min
"Heil und Segen". Arzt und Apotheker im Frühneuhochdeutschen.
Prof. Dr. Anja Lobenstein-Reichmann (Institut für Deutsche Sprache, Mannheim)

58:02 min
Körper – Krankheit – Heilung. Sprache und Medizin im Mittelalter
Prof. Dr. Jörg Riecke (Germanistisches Seminar, Heidelberg)

57:34 min
Sprachstörungen bei psychiatrischen Erkrankungen. Das Beispiel Alzheimer Demenz
Prof. Dr. Johannes Schröder und Britta Wendelstein M.A. (Universitätsklinikum Heidelberg)

43:46 min
Wenn Ärzte und Patienten miteinander reden (müssen). Zur Gesprächsanalyse medizinischer Kommunikation
Prof. Dr. Spranz-Fogasy (Institut für Deutsche Sprache)

58:13 min
Heilung durch Sprache? - Psychotherapeutische Verfahren im Blick von kognitiver Linguistik und Psycholinguistik
Prof. Dr. Klaus-Peter Konerding (Germanistisches Seminar, Heidelberg)

66:35 min
Joomla! web design...